Michael Gompf

state-pattern.one
Schauraum
Okt. 2016
Installationsansicht

In zahlreichen Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen habe ich mich mit der Frage nach Mustern sozialer Strukturen beschäftigt.
Die  Ausstellung „Transmissionsmuster“ in der Galerie Peripherie im Sudhaus Tübingen 2011 hatte z.B. die Gesamtanlage des Soziokulturellen Zentrums „Sudhaus“ zum Gegenstand. In einer performativen Aktion untersuchte ich das Phänomen der Übertragung der Anmutung des Ortes auf die Strukturen der vielfältigen Nutzer des "Sudhauses".
Die Videoaufnahmen meiner performativen Untersuchungen wurden als ausgedehnte All-over-Struktur aus tausenden arrangierter Videostills, gedruckt auf 100 Quadratmeter Vliestapete, zu einer originären Präsentationsform entwickelt.

Mit dem Projekt "Zustandsmuster" erweitere ich diesen Ansatz um einen partizipatorischen Aspekt und untersuche damit den sozialen Raum in der Wechselwirkung seiner physischen und virtuellen Ausprägungen.

Die über Smartphones jederzeit verfügbare Möglichkeit Ereignisse in Echtzeit per Videoclip einer unbekannten Anzahl Menschen jeglicher Identität global zu zeigen, löst Emotionen aus, deren Wirkungen buchstäblich unfassbar sind.
In der Soziologie wird den Emotionen zunehmend die Funktion zugeschrieben, einen entscheidenden Beitrag zur Identifikation von sozialen Gruppen und Gruppenmitgliedern mit größeren sozialen Einheiten zu leisten, sowie zur Internalisierung von sozialen Normen, Machtstrukturen, und Moralvorstellungen beizutragen.
Videoclips sind das Medium, in dem sich diese Prozesse entgrenzen und zufällig werden.
Damit verlieren die ausgelösten Emotionen aber ihren individuell erfahrbaren Kontext, auf den sie sich bezogen haben und in dem sie ihre entscheidende Rolle bei der Etablierung sozialer Bindungen entfalten konnten.
Ziel, aber nicht wirkungslos triggern diese visuellen Schrotschüsse bei ihren Adressaten Zustände der Verunsicherung und der Entfremdung.
Diese, ins Virtuelle entgrenzte, oszillierende Beziehung von Identität, sozialer Struktur, Kultur und Körper mache ich vermittels der Operation der Mustererzeugung ästhetisch erfahrbar.
Hochkomplexe soziale Strukturen globaler Dimension gerinnen zu einem Bild, zu einem Zustandsmuster.
Diese Zustandsmuster, state-patterns, geben Hinweise auf eine ihnen zu Grunde liegende verborgene Ordnung.

  • Ausbildung:
    Studium Philosophie, Kunstgeschichte und Geschichte in Tübingen
    Studium Geschichte der Naturwissenschaften und Technik in Stuttgart
  • Tätigkeiten:
    Seit 1981 Dozent/Lehrer in der künstlerischen Lehre an Schulen und Hochschulen – an der Hochschule für Kunsttherapie seit 1989
    Arbeit als freiberuflicher/ehrenamtlicher Kurator für Vereine/Kommunen und Firmen
    Tätigkeit als Künstler mit eigenen Projekten oder als Teil von Begleitbüro SOUP (Stuttgarter Observatorium urbaner Phänomene)
  • Ausstellungen/Projekte (Auswahl):
    Eurasia meets Landzuengle 2006 Projekt mit Yang Jiechang, Paris und santomatteo, Mailand auf Einladung der Brauerei Härle in Leutkirch
    „Transmission“ 2008 Oberwelt Stuttgart (E)
    „Heimat“ 2009 Städtische Galerie Reutlingen
    „Transmissionsmuster“ 2011 Galerie Peripherie Sudhaus Tübingen (E)
    state-pattern.one/Zustandsmuster.eins
    Schauraum Nürtingen 2016 (E)
  • Projekte mit Begleitbüro SOUP seit 2009 – u.a.:
    „Unser Pavillon“ 03/11 – 02/12 im Schlossgarten Stuttgart / Bahnsteigwanderungen/Magistralenwanderung 2010 – 2016
    „Endstation Magistralia“ Begleitbüro SOUP Kunstverein Nürtingen 2013 „Hirschgang“ WKV – Querungen Stuttgart 2015
  • Lehrbereiche:
    Dozent an der HfWU Nürtingen Fakultät FLUS – Künstlerische Therapien, Lehrbereich Künstlerische Ausbildung, Projektarbeit, Kunst im öffentlichen Raum
GALERIE KÜNSTLERBUND Metzgergasse 3, 72072 Tübingen, info(at)kuenstlerbund-tuebingen.de
Öffnungszeiten während den Ausstellungen: Do bis Fr 16 – 19 Uhr, Sa 11 – 17 Uhr